Ein Vater über Gendern im Unterricht

Bildnachweis: Hintergrundbild: Alexandra Koch, Pixabay. Bearbeitung: LKR

Steffan Nethe, Spitzenkandidat der Landesliste der LKR Hamburg und LKR-Wahlkreiskandidat in Hamburg-Nord, gab kürzlich ein Interview zum Gendern und zur politischen Einflussnahme in der Schule. Es erschien auf neomarius.blog. Mit Genehmigung des Copyright-Inhabers hier eine gekürzte Fassung:

„Es wurden rote Linien überschritten“

Julian Marius Plutz: Du hast vor einiger Zeit auf Facebook etwas geschrieben, was deinem Sohn widerfahren ist.

Steffan Nethe: Mein Sohn befindet sich im Homeschooling. Vor einigen Wochen habe ich ihm beim Lösen seiner Deutschaufgaben über die Schulter geschaut. Als er sich dann in einer Aufgabe der geschlechtergerechten Sprache widmen sollte, war ich schon irritiert, eigentlich eher schockiert.

Julian Marius Plutz: Worum ging es genau?

Steffan Nethe: Es ging darum, dass die Schüler anhand eines Beispiels begründen sollten, woran die geschlechtergerechte Sprache festgemacht wird und welche Intention diese verfolgt. Ein Pro und Contra hätte ich verstanden. Doch die Aufgabe selbst war bereits so gestellt, dass die Antwort nur in eine Richtung gehen konnte, und zwar, wie toll es doch für alle ist, zu gendern. Eine kritische Auseinandersetzung damit fand überhaupt nicht statt.

Julian Marius Plutz: Kurze Info zu deinem Sohn, dass wir das einordnen können. Wie alt ist er und in welche Art von Schule besucht er?

Steffan Nethe: Mein Sohn ist 10. Er geht in die 6. Klasse eines Hamburger Gymnasiums. Und er hatte sich – das muss ich fairerweise sagen – eine Aufgabe aus Klasse 9 gezogen.

„Lasst die Kinder bitte Deutsch lernen!“

Julian Marius Plutz: Im Bildungsplan ist für die Sekundarstufe 1 Gymnasium [Klassen 5 bis 9/10] kein „Gendern“ vorgesehen. Wie erklärst du dir, dass dennoch Aufgaben gestellt werden, die offenkundig eine ganz klare genderpolitische Agenda verfolgen?

Steffan Nethe: Das ist tatsächlich das Spannende dabei. Gendern gehört nicht zum Unterrichtsstoff. Und doch scheint, wer nicht mitmacht, hat ein Problem. Belege gibt es derzeit leider zu Hauf. Warum das so ist, kann ich jedoch nicht sagen. Meine Vermutung ist ja, dass man der LGBTQ- und BLM-Community nicht auf die Füße treten möchte.

Julian Marius Plutz: Sei dir sicher, ich bin „LGTBQ“ oder was auch immer, und ich fühle mich nicht auf die Füße getreten. Wie soll man denn Jugendlichen den Wert von Sprache oder Büchern nahelegen, wenn sie ständig über irgendwelche Sternchen und glottalen Verschlüssen stolpern. Wie hat dein Sohn das denn aufgefasst?

Steffan Nethe: Ich habe im Bekanntenkreis einige Homosexuelle, die das Sternchen-, Doppelpunkt- und Unterstrichsetzen nur müde belächeln. Geschlechtergerechte Sprache bringt uns keine Gleichberechtigung. Tja, und wie mein Sohn reagiert hat? Für ihn ist das beinahe schon normal. Denn die erste Mail des Tages beginnt immer mit „Liebe Schüler*innen“.

Julian Marius Plutz: Du erwähntest eben, dass es zu Problemen käme, wenn man nicht gendert.

Steffan Nethe: Hierzu vielleicht zwei Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit. Studenten werden, wenn sie nicht gendern, an einigen Universitäten schlechter benotet als Studenten, die ihre Arbeiten gendergerecht abgeben. Und dann der Fall Julia Ruhs. Die Moderatorin meinte vor wenigen Wochen im ARD-Mittagsmagazin, Gendern sei vollkommen künstlich und krampfhaft. Ihre Aussage brachte ihr insbesondere bei Twitter viel Gegenwind. Es würde mich nicht wundern, wenn es das nun mit einer großen Karriere beim ÖRR gewesen wäre.

Julian Marius Plutz: Interessant ist, dass das Gendern zwar nicht im Bildungsplan vorgesehen ist. Dennoch beschloss das Landesinstitut für Lehrerbildung Hamburg bereits 2016 die „Leitlinien zur Sicherung der Chancengleichheit durch gendersensible schulische Bildung“, in denen unter anderem die Forderung nach gendergerechter Sprache enthalten ist. Also zum Beispiel „mit Lücke“ zu sprechen, also den Genderstern mit einem glottalen Stopp zu betonen. Sind das Themen, mit denen Kindern behelligt werden sollten?

Steffan Nethe: Ich meine, lasst unsere Kinder erstmal die deutsche Sprache lernen und verstehen. Rechtschreibung und Grammatik im Deutschen sind auch ohne Gendern wirklich schon schwierig genug.

„Jedes Kind soll sich seine eigene Meinung bilden“

Julian Marius Plutz: Gendern hat ja in erster Linie einen ideologischen Auftrag, der aus der 3. Welle des Feminismus stammt. Ich möchte hier noch mal auf das Lehrinstitut zurückkommen, dass Gendern im Unterricht empfiehlt. Es handelt sich hierbei eine Behörde, die Lehrer ausbildet. Lehrer sind zur Neutralität verpflichtet. Ist hier nicht eine rote Linie überschritten?

Steffan Nethe: Selbstverständlich wird hier eine Linie überschritten. Drei kurze Beispiele hierzu aus dem Unterricht meiner 14-jährigen Tochter. An zwei Freitagen musste sie – noch vor Corona – zu einer Fridays for Future-Demo. Das war verpflichtend. Ein anderes Mal berichtete eine ihrer Lehrerinnen im Unterricht ausgiebig von ihrem Konzert am Vorabend bei Feine Sahne Fischfilet. Und im letzten Jahr mussten sie und ihre Mitschüler sich in einem Projekt mit der BLM-Bewegung auseinandersetzen. Das Material hierzu haben die Schüler teilweise per Mail erhalten. Ein Artikel von Achgut oder anderen kritischer Medien war nicht dabei. Neutralität sieht jedenfalls irgendwie anders aus.

Julian Marius Plutz: Ich höre solche Einflussnahmen von Lehrern immer wieder. Der vorläufige Gipfel des Vorgehens der Hamburger Lehranstalt ist übrigens, dass sie für Lehrer www.gender-mediathek.de empfehlen, sich für den Unterricht zu bedienen. Das Ganze ist ein Projekt von „Genderleicht“, das wiederum von der Heinrich Böll Stiftung finanziert wird, der politischen Stiftung der Grünen Partei in Deutschland.

Steffan Nethe: Schon interessant, mit welchen Parteien einige Stiftungen so verbandelt sind.

Julian Marius Plutz: Du hast geschrieben, dass die Konversation zwischen Lehrer und Schüler, zumindest auf der Seite des Pädagogen häufig gendergerecht abläuft. Wie sieht es beim Sprechen aus? Hast du den Eindruck, dass Lehrer auch häufig Gendern? Und wenn das dann Schüler übernehmen, sind wir mitten in Orwells „Neusprech“.

Steffan Nethe: Die verbalen Berührungspunkte mit den Lehrern beschränken sich derzeit auf Zoom bzw. iServ. Hier ist es mir noch nicht aufgefallen. Allerdings kann ich mir vorstellen, ist es nur noch eine Frage der Zeit. Radio-Moderatoren und Tagesschau-Sprecher gendern schließlich auch schon fleißig.

Julian Marius Plutz: Kommen wir zur letzten Frage: Was ist deine Erwartungshaltung als Elternteil 2 – kleiner Scherz, als Vater – an den Deutschunterricht oder überhaupt an den Unterricht, was das Gendern und im weitesten Sinne auch, was die politische Einflussnahme betrifft?

Steffan Nethe: Ich möchte, dass meinen Kindern nicht dieser sprachliche Wirrwarr aufgezwungen wird. Ich möchte, dass meine Kinder sich im Deutschunterricht mit einem Schiller und einem Goethe beschäftigen. Frage ich meine Kinder nach solchen Größen, ernte ich nur Schulterzucken. Deutsche Literatur, Lyrik, Gedichte, das alles gehört in den Deutschunterricht – und zwar nicht erst während der Abiturzeit. Und natürlich möchte ich nicht, dass die Lehrkräfte unsere Kinder politisch beeinflussen. Unterricht muss sachlich und neutral sein. Wertungen gegenüber politischer Richtungen – zumindest, wenn es sich um keine extremistische Richtung handelt – sind zu unterlassen. Jedes Kind soll sich seine eigene Meinung bilden und politisch unbelastet in die Welt entlassen werden.

Die vollständige Fassung des Interviews findet sich auf neomarius.blog. Wir danken für die Rechte.

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