Corona-Demo Augenzeugenbericht

Bildnachweis: blablabla

von Markus Puttlitz

Gestern haben sich in Berlin nach offizieller Darstellung 38.000 Demonstranten aus unterschiedlichen Beweggründen zur Corona-Demonstatrion #b2908 eingefunden. Ich kann bestätigen, dass die Demonstration sehr heterogen zusammengesetzt war – selten einen so bunten Haufen gesehen. Die weit überwiegende Mehrheit war friedlich eingestellt und um Einhaltung von Abständen bemüht. Reichsbürger und Reichsflaggen waren sichtbar, aber ohne große Bedeutung. Sie wurden von den meisten Demonstrationsteilnehmern ignoriert.

Ich selbst war mit einer kleinen Gruppe vor Ort, um mich für Politikerhaftung einzusetzen – ein Thema, das großen Anklang fand.

Aufmarsch

Der Start des Demonstrationszugs war für 11 Uhr in der Friedrichstraße geplant. Hierfür hatten verschiedene Gruppen großen Aufwand betrieben und eine Reihe von Umzugswagen mit unterschiedlichen Motiven vorbereitet. Es fanden sich schon am Morgen deutlich mehr Teilnehmer als von den Behörden offiziell erwartet ein.

Auf Einhaltung von Abständen wurde zunächst genau geachtet. Um 11 Uhr blockierte die Polizei jedoch den Startpunkt und ließ gleichzeitig von hinten immer neue Teilnehmer in das Aufmarschgebiet hinein, so dass ein Gedränge unvermeidbar wurde. Die Demonstrationsteilnehmer wurden – auch von den Veranstaltern – zum Aufsetzen von Masken aufgefordert, hielten sich jedoch nicht flächendeckend daran (laut Gerichtsbeschluss gab es für diese Demonstration auch keine Maskenpflicht). Dies wurde nach stundenlanger Wartezeit von der Polizei zum Anlass genommen, den Demonstrationszug aufzulösen.

Für den neutralen Beobachter ist kein anderer Schluss möglich als eine politisch gewollte Steuerung – hätte man den friedlichen Zug starten lassen, wäre eine Entzerrung problemlos möglich gewesen (wurde bei anderen weniger politisch missliebigen Demos wie „Black Lives Matter“ und „FFF“ auch so angewendet). Die Teilnehmer von #berlin2908 waren über diese Entscheidung schwer enttäuscht, vor allem die Organisatoren der Umzugswagen, die nicht starten durften. Die Stimmung blieb jedoch zu 100% friedlich.

Kundgebung

Die Demonstranten aus der Friedrichstraße bewegten sich friedlich zur Hauptkundgebung auf der Straße des 17. Juni zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule. Dort wurde sehr genau auf die Einhaltung von Abständen geachtet, was bei der Größe des Geländes auch besser möglich war.

Die Hauptkundgebung startete wie geplant gegen 15:30 Uhr und verlief vollständig friedlich. Auch hier war wieder eine der buntesten Mengen zu beobachten, die ich je bei einer einzigen Veranstaltung gesehen habe. In den Reden war ebenfalls Buntes zu hören, vermutlich hat jeder Teilnehmer einzelnen Aussagen zustimmen können und niemand allen Aussagen.

Der Hauptveranstalter #querdenken711 ist auf diese Vielfalt von Meinungen durchaus stolz und hatte auch fürs Rednerpult eine bunte Mischung zusammengesetzt bis hin zu einem waschechten Kennedy. Geeint wurden die Demonstranten und Redner vermutlich vor allem durch ein großes Unbehagen gegenüber Notstandsgesetzgebung und Staatswirtschaft im Zeichen der Pandemie, tendenziös-einseitiger Berichterstattung in den Massenmedien, übertriebener Beschneidung von Freiheitsrechten und der Verteufelung Andersdenkender.
Die Gruppe mit Reichsflaggen wurde lange Zeit an der russischen Botschaft gesehen und versuchte sich später an einer „Reichstagsbesetzung“, die ich nicht kommentieren kann, da nicht mehr vor Ort.

Mediale Berichterstattung

„Entsetzen über Eskalation am Reichstag“, „Schock nach dem Sturm auf den Reichstag“ und „Das ist unerträglich“ lauten heute einige Schlagzeilen in den Massenmedien. Auch schon vor dem Vorfall am Reichstag waren den ganzen Tag über vor allem reißerische Berichte zu lesen, die sich gegenseitig an Dramatik überboten. Wer z.B. die „BILD“ online liest, bekommt den Eindruck, Berlin habe gestern kurz vor einem Bürgerkrieg gestanden. Vor Ort haben wir das ganz anders erlebt und sehen uns in unserer Skepsis gegenüber Massenmedien leider bestärkt. Es lohnt sich auf jeden Fall, solche Veranstaltungen zu besuchen und sich ein eigenes Bild zu machen. Bezeichnenderweise mussten die Veranstalter von #berlin2908 in eigene Fotokräne und Kameras investieren, um realistische Eindrücke der großen Menschenmengen westlich des Brandenburger Tors festzuhalten, weil die Fernsehkameras oft an den am wenigsten belebten Stellen standen.

Gesamteindruck

Es ist offenkundig, dass diese Demonstration, #berlin2908, den rot-rot-grünen Machthabern in Berlin nicht in den Kram gepasst hat. Nachdem ein Verbotsversuch mit verfassungsfeindlicher Argumentation vor Gericht gescheitert ist, hat man am Vormittag ein Gedränge der Teilnehmer zum Anlass genommen (oder selbst herbeigeführt), den Demonstrationszug aufzulösen. Tatsächlich gingen die Teilnehmer jedoch nicht nach Hause, sondern schlossen sich friedlich der Hauptkundgebung an. Bedenklich ist, dass in den Medien kaum ausgewogen über die Kundgebung berichtet wird, sondern die auf den Stufen des Reichstags sitzende kleine Truppe von Reichsbürgern dramatisiert und in den Mittelpunkt gerückt wird.

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